Ein Staubkorn, eine thermische Schwingung, eine lokale Konzentrationsfluktuation. Jeder beliebige Defekt kann die Nukleation eines Kristalls auslösen. Der Moment ist unvorhersagbar. Der Ort ist zufällig.

Die endgültige Struktur war bereits in die Geometrie der atomaren Bindungen eingeschrieben. Tetraedrischer Kohlenstoff, hexagonales Silizium, kubisch-raumzentriertes Eisen. Die Topologie der Elektronenorbitale setzt ihr Gesetz durch, bevor sich die erste Bindung bildet. Der Zufall wählt den Moment.

Die Physik bestimmt die Form.

Das Kristallgitter entsteht nicht durch progressive Akkumulation. Es emergiert durch Phasenübergang, eine überschrittene Schwelle, eine gebrochene Symmetrie, eine Ordnung, die sich global durchsetzt, sobald die lokalen Bedingungen es ermöglichen. Die endgültige Struktur präexistierte als energetisches Potential.

Ostwald hatte die Regel identifiziert: Die metastabilen Phasen treten zuerst auf, dann entwickeln sie sich zum thermodynamischen Gleichgewicht. Das System erkundet seine Möglichkeiten in der Reihenfolge der energetischen Nähe. Aber es kommt immer beim selben Kristall an.

Doktrin

Wir zwingen die Form nicht auf, wir verhandeln mit ihr.

Offener Vektor

Jeder Lernalgorithmus erkundet eine Funktionslandschaft, deren Topologie durch die Netzwerkarchitektur festgelegt ist. Die Gradienten finden die Minima. Die Attraktorbecken waren bereits da, ausgehöhlt durch Designentscheidungen, die der ersten Berechnung vorausgingen. Wenn die Topologie der Landschaft vor dem Training vollständig determiniert ist, entdeckt die Lernphase etwas, oder lokalisiert sie nur, was bereits eingeschrieben war?

Referenzen

B. Sigurðsson Researcher — Kausale Dynamik