Reines Silizium tut nichts. Es ist ein intrinsischer Halbleiter, symmetrisch, inert. Damit es ein Transistor wird, muss es gebrochen werden. Eine Zone mit Phosphor dotieren, eine andere mit Bor. Eine absichtliche Asymmetrie in einen perfekten Kristall einführen. Der resultierende Übergang, wenige Nanometer dick, ist der Ort, an dem alles geschieht. Elektronen zögern dort zwischen zwei Energiezuständen. Dieses kontrollierte Zögern ist die Grundlage der gesamten modernen Elektronik.
Die Zellmembran arbeitet nach dem gleichen Prinzip. Das Zytoplasma und das extrazelluläre Milieu sind zwei stabile Lösungen. Die Membran, die sie trennt, ist der Ort der Funktion: selektiver Transport, Ruhepotential, Depolarisation. Das Leben ist nicht in den Kompartimenten. Es ist in der Trennwand.
Perfekte Kontinuität erzeugt keine nutzbare Arbeit. Es braucht einen Bruch, eine Schwelle, einen Defekt, damit etwas geschieht. Funktion entsteht nicht aus der Materie. Sie entsteht an der Stelle, wo die Materie aufhört, homogen zu sein.
Doctrine
Funktion entsteht aus kontrollierter Unstetigkeit. Homogenität ist steril.
Vecteur ouvert
Die visuelle Wahrnehmung unterscheidet Farben dort, wo das elektromagnetische Spektrum kontinuierlich ist. Das Gesetz gilt dort, wo die Definition eine Grenze zieht. Bedeutung entsteht dort, wo die Sprache einen Schnitt in ein Kontinuum setzt. Die Frage ist, ob jede Funktion, physische, biologische, kognitive, soziale, eine vorherige Unstetigkeit erfordert, oder ob manche Funktionen aus der Kontinuität selbst hervorgehen.
