1932 lässt Bartlett britische Versuchspersonen eine indianische Legende lesen. Bei der Wiedergabe werden Kanus zu Booten, Geister verschwinden, die Erzählstruktur ordnet sich um vertraute Schemata. Die Versuchspersonen verzerren die Erinnerung nicht aus Nachlässigkeit. Sie rekonstruieren sie, damit sie dient, zum Verstehen, zum Erzählen, zum Antizipieren.
Jede Erinnerung rekonstruiert das Ereignis nach den Anforderungen der Gegenwart. Die Gedächtnisspur ist keine degradierte Aufzeichnung. Sie ist Material, das durch jeden Gebrauch umgeformt wird. Das Gedächtnis produziert, es archiviert nicht.
Die Ereignisse, die das Vergessen überleben, sind nicht die intensivsten. Es sind die brauchbarsten, jene, deren Form sich den Erzählungen fügt, die das Subjekt noch nicht konstruiert hat. Die vergangene Erfahrung verformt sich unter der Anziehung ihrer zukünftigen Verwendungen.
Doctrine
Das Gedächtnis bewahrt nicht die Vergangenheit. Es fabriziert den Rohstoff der Zukunft. Was vergessen wird, ist nicht verloren, es wurde als unbrauchbar beurteilt.
Vecteur ouvert
Städte bewahren nur die Gebäude, die den kommenden Revolutionen dienen werden.
